Wasser & pH-Wert

Wasser & pH-Wert: Das Fundament der Nährstoffaufnahme

Du kannst den teuersten Dünger der Welt kaufen – wenn dein Wasser nicht passt, wird deine Pflanze ihn nicht aufnehmen können. Das Zusammenspiel von pH-Wert und Wasserqualität entscheidet darüber, ob deine Wurzeln „essen“ können oder verhungern.

Der ph-Wert

Er misst, wie sauer oder basisch dein Wasser ist. Für Cannabis liegt der „Sweet Spot“ auf Erde meist zwischen 6,2 und 6,8. Ist der Wert falsch, kommt es zum Nährstoff-Lockout.

Der EC-Wert

Die elektrische Leitfähigkeit zeigt an, wie viele Salze (Dünger) im Wasser gelöst sind. Ein zu hoher EC-Wert „verbrennt“ die Wurzeln durch osmotischen Druck.

Wasserhärte (Ca/Mg)

Viel Kalk im Leitungswasser bedeutet viel Kalzium. Das ist oft gut, kann aber das Verhältnis zu Magnesium stören. Kenne deine Wasserwerte vom Versorger!


Warum Wasser nicht gleich Wasser ist

Viele Anfänger begehen den Fehler und denken, dass klares Leitungswasser automatisch „gutes“ Wasser für ihre Pflanzen ist. Doch für Cannabis ist Wasser das Transportmittel Nummer eins. Wenn die chemischen Parameter (pH und EC) nicht stimmen, entstehen Blockaden. Die Pflanze steht dann sprichwörtlich vor einem vollen Teller (Dünger im Boden), kann aber kein Besteck benutzen, um zu essen

Der pH-Wert: Der Türsteher der Nährstoffe

Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Die Skala reicht von 0 bis 14, wobei 7 neutral ist. Cannabis bevorzugt ein leicht saures Milieu.

Warum ist das so wichtig?

Jeder Nährstoff (Stickstoff, Phosphor, Kalium sowie die Mikronährstoffe) hat ein bestimmtes „Fenster“, in dem er wasserlöslich ist.
Ist der pH-Wert zu hoch (alkalisch), werden Eisen, Mangan und Bor unlöslich. Die Blätter werden gelb, obwohl genug Dünger da ist.
Ist der pH-Wert zu niedrig (sauer), kann die Pflanze Magnesium und Kalzium nicht mehr aufnehmen, was oft zu braunen Flecken auf den Blättern führt.

Der EC-Wert: Die Messlatte für die Sättigung

EC steht für Electrical Conductivity (elektrische Leitfähigkeit). Da reines Wasser keinen Strom leitet, messen wir über die Leitfähigkeit eigentlich nur die im Wasser gelösten Salze – also deinen Dünger.
Ein niedriger EC-Wert bedeutet, die Pflanze hat Hunger.
Ein zu hoher EC-Wert führt zu einer Überdüngung. Dabei passiert etwas Gefährliches: Durch den hohen Salzgehalt außerhalb der Wurzel wird der Pflanze per Osmose Wasser entzogen. Sie vertrocknet innerlich, obwohl die Erde feucht ist.

Die Wasserhärte und das CalMag-Problem

In Deutschland ist Leitungswasser oft sehr kalkhaltig („hart“). Kalk besteht primär aus Kalziumkarbonat. Während Cannabis Kalzium liebt, bringt hartes Wasser oft ein Problem mit sich: Das Verhältnis von Kalzium zu Magnesium sollte idealerweise bei 3:1 liegen.
Oft enthält Leitungswasser aber viel Kalzium und fast kein Magnesium. Das Ergebnis ist ein Magnesiummangel (hellgrüne Streifen zwischen den Blattadern), obwohl das Wasser „hart“ ist. In diesem Fall musst du mit speziellen CalMag-Zusätzen gegensteuern.

Schritt-für-Schritt: Die perfekte Nährlösung mischen

Damit du keine Messfehler machst, solltest du diese Reihenfolge strikt einhalten:
Wasser abstehen lassen: Fülle dein Wasser 24 Stunden vor dem Gießen in einen Eimer. Das Chlor (welches Mikroorganismen im Boden schadet) gast aus und das Wasser erreicht Zimmertemperatur. Kaltes Wasser schockt die Wurzeln.
Dünger hinzufügen: Gib zuerst deine Dünger und Zusätze ins Wasser. Fast alle Dünger sind leicht sauer und senken den pH-Wert deines Leitungswassers automatisch.
Umrühren und warten: Rühre die Mischung gut um und warte 2–3 Minuten, bis sich die chemischen Reaktionen stabilisiert haben.
pH-Wert messen: Erst jetzt misst du den Wert.
Korrigieren: Nutze „pH-Down“ (meist Phosphorsäure) oder „pH-Up“, um den Zielwert zu erreichen. Ein einziger Tropfen kann bei weichem Wasser schon einen großen Unterschied machen!
Gießen mit Drain: Gieße so viel, dass unten am Topf etwa 10–20 % des Wassers wieder herauslaufen. Das spült überschüssige Salze aus und verhindert, dass der Boden mit der Zeit „versauert“.

Besonderheit: Organischer Anbau auf Bio-Erde

Wenn du mit hochwertiger Bio-Erde und organischem Dünger (wie BioBizz oder Living Soil) arbeitest, musst du den pH-Wert seltener korrigieren. Die Mikroorganismen im Boden fungieren als Puffer und regulieren den pH-Wert für die Pflanze.
Aber Achtung: Wenn dein Leitungswasser extrem aus der Reihe tanzt (z. B. pH über 8,5), schaffen es auch die Mikroorganismen irgendwann nicht mehr. In diesem Fall solltest du auch organisch vorsichtig nachhelfen.

Profi-Tipp für Messgeräte

Günstige gelbe pH-Stifte für 10 € sind oft ungenau und verlieren schnell die Kalibrierung. Investiere in ein Markengerät (z. B. von Bluelab oder Adwa) und kalibriere es alle 4 Wochen. Ein falsch anzeigendes Messgerät ist gefährlicher als gar kein Messgerät!